Antaro – Deutscher Mr. Goatrance zurück in Europa

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Nach einem kurzen Besuch im mushroom headquarter von Antaro und nachfolgendem rumstöbern im Archiv und dem Fundstück mushroom magazine Juni 97 stand fest, es wird schon lange mal Zeit für ein Interview mit dem Gründer von VooV Experience und Spiritzone Recordings.

Antaro – das Interview

Was denkst Du über die aktuelle Entwicklung der Szene? Nachdem wir wohl gegen Mitte der 2000er einen Höhepunkt unserer Kultur erlebten, folgten darauf ein Label und Veranstaltersterben, bei stark rückläufigen Besucherzahlen auf den Veranstaltungen und Festivals. Aktuell scheint sich dieser Trend wieder umzukehren und die GOA-Szene so etwas wie eine Renaissance zu erleben. Wie schätzt Du das ein?

„Totgesagte leben länger” heisst ja ein Sprichwort, das scheint hier wohl zuzutreffen. Ich hätte, ehrlich gesagt, auch nicht gedacht das ich in diesem Leben noch mal Fragen vom “mushroom magazine” beantworten würde 🙂 Man kann auf jeden Fall feststellen, dass es weltweit wieder mehr Psytrance Partys gibt und die Produzentenszene sich multipliziert hat und plötzlich alles wieder sehr lebendig ist. Soundtechnisch hat sich im Laufe der Jahre die durch “Goa” inspirierte Musikszene so vielfältig entwickelt, dass man gar nicht mehr von “dem” Goa-Sound sprechen kann. Man sollte sowieso besser von Psytrance reden.
Keiner muss nach Goa fahren, um auf eine sogenannte Goatrance Party zu gehen. Die gibt es inzwischen überall. Goa ist eine Marke geworden, was Partys, Musik und Lifestyle angeht. Hat sich sozusagen verselbstädnigt und hat doch eigentlich nur noch wenig mit dem zu tun, was es einmal war. Um auf den Höhepunkt der Kultur (labelbezogen} zu sprechen zu kommen, würde ich sagen, dass der Ende der 90er/Anfang 2000 war, als alles noch frisch und einzigartig war und keiner wusste wo die Reise hingeht. Danach kam dann eine Label-, Artist- und Party-Flut, die Mitte 2000 jäh vom totalem Kollaps überrascht wurde. Durch das Internet hatte sich innerhalb kürzester Zeit das globale Netzwerk von Labels, Distributions und allem, was noch dazugehört, in Luft aufgelöst.
Dann kam für Jahre Stagnation und heutzutage saugt sich jeder seine Musik aus dem Internet und das möglichst umsonst. Jetzt gibt es anscheinend wieder eine neue Phase unter neuen Voraussetzungen. Ich bin gespannt, wo die Entwicklung hingeht.

Warum wurde Spirit Zone Records aufgegeben?

Spirit Zone ging pleite. Nach der “Explosion” des Internets ist das Distributionsnetz, sind die Verkäufe von Tonträgern radikal eingebrochen. Obwohl uns die Distribution (EFA Medien) ein Jahr nicht mehr bezahlten, haben wir damals weiterproduziert und weiter veröffentlicht und den Angestellten die Löhne bezahlt – in der Hoffnung, dass sich die Lage wieder bessert – bis dann alles Geld weg war und sich Schulden angehäuft hatten. Das war dann das Aus.

antaro spiritzone logo

Ist es richtig, dass die Musik des Spirit Zone Labels beim Goethe Institut von Kambodscha ist und dort digitalisiert wurde? Gibt es ein Wiederaufleben des Labels?

Ich habe die letzten 2 Jahre in Kambodscha gelebt und dort im Metahouse ab und zu Musik gemacht. Das Metahouse ist dem Goethe Institut in Phnom Penh angeschlossen. Da dort viel Pioniergeist herrscht, was Musik und Partys angeht, fand ich es eine gute Idee, meine Spirit Zone CD Sammlung dazulassen. Ist ja irgendwie auch ein Stück deutsche Kultur, zumindest habe ich es jetzt dazu gemacht 🙂

antaro

Magst Du uns und unseren Lesern bitte etwas darüber sagen, warum Du aus der VooV-Experience ausgestiegen bist oder eventuell sogar die aktuellen Entwicklungen kommentieren?

Nein.
Nur soviel: Ich bin 2005 aus persönlichen Gründen ausgestiegen und habe mit allem, was danach kam und in Zukunft noch kommt, absolut nichts zu tun.

Du hast Dich selber mal beschrieben als “global vagabond – single, no kids, lots of traveling”.
Ein Teil unserer Ausgabe, der „Trancers Guide to the Galaxy“ widmet sich dem Thema Traveling. Hast Du irgendwelche Tipps und Tricks für unsere Leser parat, die das Reisen erleichtern?

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Traveln ist für mich eine Lebenseinstellung und die Art wie ich am liebsten lebe. “Home is where the heart is” und das kann überall sein und ständig wechseln. Flexibilität hilft und ständig offen zu sein für neue Situationen. Dann passiert alles von ganz allein und man trifft automatisch auf die richtigen Leute.
”Trust in existence” würde man im englischen sagen und das trifft es sehr gut.Ich persönlich bin nicht an materiellen Dingen interessiert und ich bin kein Sammler von Dingen und besitze eigentlich nichts. Frei zu sein bedeutet für mich, jederzeit dort sein zu können wo ich sein möchte und das zu tun was ich tun möchte. Da sind materielle Dinge eher ein Hindernis.

Antaro und das ZNA Gathering

Wir führen dieses Gespräch während Du in Portugal bist. Der Termin für ZNA 2017 steht schon fest. Hören wir Dich dort wieder, triffst Du Dich mit den Veranstaltern?

Die ZNA Organisatoren haben mich dazu bewogen, mal wieder Psytrance aufzulegen auf ihrer Party in Portugal. Dafür bin ich ihnen dankbar. Es war so viel Spass all “die üblichen Verdächtigen” Artists und DJ‘s wiederzutreffen in einer so perfekten Open Air Location.
Ich bin im nächsten Jahr wieder auf dem ZNA Gathering in Portugal.

Du hast einige sehr schöne Bookings im Sommer in Deutschland und wie ich lese sogar noch ein Indoor Event im Grünspan. Werden Erinnerungen wach und hast Du als Hamburger Jung’ eine besondere Verbindung zum Grünspan?

ich freue mich auf den Sommer in Deutschland und die Partys und die Leute. Ich war ja einige Jahre nicht mehr am Start und habe den ganzen Zirkus schon vermisst. Das Antaris Project ist natürlich das Highlight. Dort sind dann alle anzutreffen. Ich spiele am letztem Tag Psytrance und die Tage davor Electronica im Chillzelt. Auch das Spiritual Healing Festival könnte eine gute Veranstaltung werden, das Konzept dort finde ich interessant. Die Party im Hamburger Club “Grünspan” ist für mich persönlich etwas sehr Besonderes. Das Grünspan war der erste Club in dem viele Jahre jedes Wochenende zum Tanzen gegangen bin und meine ersten psychedelischen Erfahrungen gemacht habe. Da war ich 16, das war 1969. Es freut mich sehr dort jetzt mal selber Musik machen zu dürfen.

antaro - zna

Was hat Dich nach all den Jahren bewogen, wieder in die Psyscene einzutauchen?

Ich habe es vermisst, aktiv an Partys teilzuhaben und die Psytrance Szene ist nunmal meine Szene.. Ich habe in Asien versucht mich mit anderer Musik als DJ durchzusetzen, mit wenig Erfolg. Die meisten meiner Freunde sind in der Psytrance Szene unterwegs und die Lebensart passt natürlich auch zu mir.

Antaro, was hältst Du von der Entwicklung Richtung Progressive Trance?

Progressive Trance ist ein nordeuropäisches Phänomen und kam zuerst aus Scandinavien und Deutschland. Ich glaube es hat wohl mit der etwas trockeneren Mentalität hier zu tun. Mit Spirit Zone und generell in Hamburg haben wir ja auch Anteil daran. Die Szene ist sehr aktiv und international erfolgreich. Also alles gut.
Die “echte Goafraktion” sieht diesen Stil allerdings nicht als Psytrance, da er sehr Club orientiert ist und viel vocals featured. Einiges sollte man auch eher Psyhouse nennen. Ich finde das im Moment auch nicht so spannend, denn ich gebe lieber Vollgas.

Interview mit Antaro: Manjula