Roberdo asks! Wer zahlt dafür?

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Goa ist bekanntlich die Abkürzung für Geld Ohne Arbeit. Glückliche Freigeister soweit das Auge reicht, immer auf dem Weg zur nächsten Party oder auf dem Sprung in ein exotisches, weit entferntes Land. Deshalb stelle ich mir heute die existenzielle Frage:

Wer zahlt dafür?

Stellen tut sie sich beispielsweise ein weltreisenden Psychonaut und DJ*, dessen endloser Asien-Trip ein jähes Ende findet, als die örtliche Polizei ihn hicke-hacke-dicht mit einer Ladung Dope hochnimmt und in den Knast steckt. Guter Rat ist teuer: Wer zahlt den Anwalt? Wer zahlt das landestypische Bestechungsgeld? Das Konto der reichen Eltern, jahrelang ein veritables Füllhorn für’s psychedelische Nomadentum, ist leergeräumt. Die Bookings haben ganz nüchtern betrachtet nie wirklich was abgeworfen – wenn die Veranstalter überhaupt gezahlt haben. Und die vielen super netten neuen Freunde von jener Paradiesinsel in Thailand sind mittlerweile im Flieger nach Bali. Bis vor ein paar Jahren wäre dieser Zeitgenosse herzhaft in den Po gekniffen gewesen. Heute gibt’s glücklicherweise das Internet. Und Crowdfunding.

Im Grunde handelt es sich um eine Jahrtausende alte Idee. Lange war sie unter dem Stichwort „Betteln“ verbreitet. Mit Crowdfunding kann man allerdings die mühseligen, dreckigen und demütigenden Aspekte des Bettelns umgehen, indem man das Manöver in die saubere Welt des Internets verlegt. Die Hand wird zwar weiterhin aufgehalten – aber nur, um darin das Smartphone zu platzieren. Nun heißt es, sich ein paar blumige Worte einfallen zu lassen, welche die eigenen Wünsche im Licht einer altruistischen Mission glitzern lassen. Gute Stimmung, Bewusstseinswende oder allgemeine Weltverbesserung eignen sich ganz hervorragend. Und schon klingelt die Kasse. Auch am anderen Ende der Welt, wo man täglich am 67-jährigen Penner neben der S-Bahnstation vorbeiläuft, ohne ihm auch nur das Wechselgeld von Ticketautomaten in den Pappbecher zu schnippen. Kauft der sowieso nur Schnaps und Drogen von. Dann doch besser seinem ähnlich aussehenden Altersgenossen eine Partyreise nach Übersee finanzieren – schließlich ist der mit seinem nicht tot zu kriegenden Frohsinn in der örtlichen Clubszene eine echte Inspiration. Wohltätigkeit um ihrer selbst willen war gestern. Heute kannst du um deiner selbst willen wohltätig sein. Wenn die Reichen da oben so viel Vetternwirtschaft betreiben, warum nicht auch am Ende der Nahrungskette? Mit Crowdfunding ist quasi immer Weihnachten. Du sehnst dich nach einer absurd großen Bong, möchtest eine dieser bescheuerten Drohnen kaufen oder den teuren Analog-Synthie, der dich bisher noch von deinem längst überfälligen Durchbruch als Producer trennt? Nun weißt du, wer dafür zahlt!

*fiktiver Charakter, Ähnlichkeit mit lebenden Personen wahrscheinlich, aber rein zufällig

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