Wir fragen DJoanna: Brauchen wir noch DJs in der Psytrance-Szene?

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„Wie, du produzierst überhaupt nicht selbst?“
In Zeiten, in denen Live Acts oft mehr als die Hälfte eines Line Ups füllen, sehen sich Aufleger ohne eigene Veröffentlichungen immer häufiger mit dieser empört-verständnislosen Frage konfrontiert. Darüber haben wir mit DJoanna, der chronisch gut gelaunten Blondine aus dem Waldfrieden, geplaudert. Mit 19 hat sie das erste Mal auf dem Wonderland Mainfloor aufgelegt – das ist schon 15 Jahre her. So viel auch zum Thema „Die Szene wird immer jünger“. Obwohl sie bisher kaum eigene Releases hat, zählt sie heute zu den populärsten Auflegern der deutschen Psytrance-Szene.

Wir fragen DJoanna: Haben DJs in der Psytrance-Szene noch eine Daseinsberechtigung?

Kommen wir direkt zum Punkt: Haben DJs noch eine Daseinsberechtigung?

Ja, haben sie! Meiner Meinung nach werden sie in der Psytrance-Szene viel zu wenig wertgeschätzt, interessanterweise stellt sich diese Frage in anderen DJ-Szenen nicht. Denn was ein DJ kann und ein Live Act nicht kann, weiß eigentlich jeder: Ein DJ kreiert meistens spontan und aus dem Moment heraus eine Mischung aus seinen Lieblingstracks und kann dabei flexibel auf Zeit und Stimmung eines Floors reagieren. In der DJ-Sprache nennt man das „Crowd Reading“. In der Live Act Sprache existiert dieser Begriff so nicht.

Der Haken ist also, dass Live Acts nicht spontan auf den Vibe der Tanze reagieren können?

Djoanna

Ich würde es nicht mit “Haken” betiteln. Beim Live Act weiß man recht genau, was einen erwartet, da das Set meist eine ganze Saison lang das gleiche bleibt oder zumindest nur sehr bedingt variiert. Somit bietet er eine gewisse “Sicherheit”. Aber klar: Wenn das Set mal nicht ganz passt, kann er nicht viel ändern. Hier liegt dann eine Menge Verantwortung in den Händen des Bookers, der ja entscheidet, wer wann und ob überhaupt spielt. Der Sicherheit des Live Acts steht also die Flexibilität des DJs gegenüber. Ein DJ pickt sich aus allen Releases seine persönliche, kunterbunte Lieblingsmischung raus, kreiert – meistens live – ein in der Konstellation noch nie gespieltes Set und ist somit in der Lage, etwas nie Gehörtes abzuliefern und das Publikum zu überraschen und zu erfrischen.

Spielst du darauf an, dass sehr viele Live Acts sowieso nur „Play“ drücken, ihr Repertoire quasi immer wieder exakt gleich ist?

Nein, das ist nicht das, was ich sagen möchte. Live Acts sind wichtig, denn ohne sie hätten wir die Musik nicht, die wir so lieben, und es ist auch geil, den Produzenten persönlich auf der Bühne zu sehen. Aber es stimmt, dass ein DJ meistens tatsächlich mehr “live” arbeitet als ein Live Act und ich finde es schade, dass dies kaum Wertschätzung findet. Das erkennt man daran, dass es kaum einen DJ gibt, der den Bekanntheitsgrad eines Live Acts erreicht, und dass ein DJ auf großen Partys eigentlich nie als Headliner genannt wird. Man darf auch nicht vergessen: Eigentlich sind es die DJs, die unbekannte Acts bekannt machen, denn sie sind es ja, die Tracks entdecken und spielen, die vielleicht noch niemand vorher gehört hat. Wer bringt den Sound von neuen Acts auf den Floor, wenn nicht die DJs?

Du bist seit ein paar Jahren für die Bookings der Waldfrieden Events zuständig. Wie ist deine Herangehensweise an das Thema DJs und Live
Acts

Djoanna PortraitIch buche gerne DJs und würde es aus den eben genannten Gründen gerne noch mehr machen, wenn das Augenmerk der Psytrancer nicht so extrem auf Live Acts fixiert wäre. Das Line Up ist ausschlaggebende Werbung, daher ist es wichtig, dass es sich gut liest. Es gibt allerdings nur eine handvoll DJs, die international bekannt sind. Das eine bedingt das andere. Beim Booking sind DJs super wertvoll, schon allein um den Flow eines Floors stabil zu halten. In einer Nacht mit zwei Live Acts wie z.B. E-Clip und Hypogeo ist ein DJ für den Style-Übergang absolut notwendig. Und mit Tristan und Protonica brauche ich z.B. einen DJ, der von 145 auf 138 BPM runter spielt. Auch für diese Aufgabe sind DJs unverzichtbar.

Was ein DJ kann und ein Live Act nicht kann, weiß eigentlich jeder: Ein DJ kreiert aus dem Moment heraus eine Mischung aus seinen Lieblingstracks und kann dabei flexibel auf Zeit und Stimmung eines Floors reagieren.
Beim Booking sind DJs super wertvoll, schon allein um den Flow eines Floors stabil zu halten.

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