Seite wählen

Wie kann man über Jahre hinweg diese ganzen grottenschlechten Organisationsstrukturen unserer Szene, diese Unzuverlässigkeit und die hohen Erwartungen an die Künstler gepaart mit mangelnder Wertschätzung künstlerischer Arbeit ertragen, ohne das Handtuch zu werfen?

Boom Shankar (BMSS Rec)

boom shankar word stand the sceneDie Antwort ist simpel: Weil ich es noch liebe! Trotz der erwähnten Probleme wird der Kern unserer Szene immer noch von solch interessanten und tollen Menschen zusammengebracht. Es gibt so viele atemberaubende Orte auf diesem Planeten die ich aufgrund meines Engagements in der Szene besuchen durfte. So viele lang andauernde Freundschaften haben sich daraus ergeben dass es definitiv den Mangel an Professionalität und die Unzuverlässigkeit aufwiegt.

Protonica (Iono Music)

protonica word stand the sceneDas hört sich ziemlich schroff und negativ an! Aber da steckt auch ein bisschen Wahrheit drin. Wenn man die Zeit und Energie die wir in unser eigenes Projekt stecken mit einem Ottonormal-Job vergleicht, können wir das wohl am ehesten mit unserer tiefen Liebe zur Musik rechtfertigen. Am Ende, wenn man freudestrahlende Gesichter auf einer schönen Party sieht und man die Miete bezahlen kann, weiß man warum man es macht!

Bim (Y.S.E / IONO Music)

bim word stand the sceneIch mache diesen Job nun seit Mitte der 90er und ohne Eigenlob, bin ich maßgebend an der Entwicklung einiger Künstler und unserer Musik beteiligt. Und ja, ich habe niemals wirklich die Anerkennung in der Welt bekommen, wie andere Künstler mit weitaus weniger Arbeit. Im Gegenteil, ich wurde von vielen Künstlern ausgenutzt und dann abgelegt. Viele große Veranstalter buchen mich nicht weil ich unsere Musik kommerziell verkaufe. Naja, das sie ja dann mal fast 100 € Eintritt nehmen, ist ja dann nicht das Thema. Du musst immer mehr für dein angemessenes Geld kämpfen, weil sich immer mehr DJs für einen Apfel und ein Ei verkaufen und es gibt immer mehr Veranstalter denen ein billiger DJ lieber ist als jemand der weiß was er tut. Aber zum Schluss ist das alles nicht wichtig . Für mich gibt es nichts schöneres als mit unserer Musik zu arbeiten und zu leben. Es gibt nichts schöneres, als einen jungen Künstler aufzubauen und ihn langsam zu seinem Erfolg zu führen und seinen Glanz in den Augen zusehen, wenn er seinem Ziel näher kommt. Es gibt nichts schöneres als auf die Bühne zu gehen und Menschen mit seiner Musik glücklich zu machen und wenn es dann noch die eigene Musik ist, ist das das größte Gefühl. All diese Emotionen und Gefühle die dieser Beruf mit sich bringt ist mehr wert als Anerkennung, Respekt oder andere lebensunwichtigen Dinge. Ich muss nicht der Musiker sein der sich in den Vordergrund stellt und sich feiern lässt oder sich auf der Bühne profiliert, das bin ich nicht. Alles was ich will ist, das zu machen wofür ich von den Veranstaltern bezahlt werde oder das Publikum für mich Eintritt zahlt: einen 100 % perfekten Job und wenn das gelingt kannst du gut mit allen anderen negativen Eigenschaften leben.

Alpha (interzone.pa)

alpha wordEine sehr wichtige Frage, die wohl leider nur die Betroffenen interessiert und keinen (zahlenden) Gast. Ich drücke es mal so aus: in der letzten kleinen Punk-Klitsche wirst du besser behandelt, als im Schnitt in der Psy-Szene. Meine (nicht alleine) bittere Erkenntnis. Einfach mal so hinnehmen, denn die Erklärungen füllten Bände. Sowohl national als auch international gibt es viele Kollegen, die sich deswegen immer mehr aus der Szene frustriert zurückziehen. Auch die nachgewachsenen Veranstalter machen da leider keine Ausnahme oder es sogar schlimmer.
Meine Reputation ist ja im Vergleich gar nicht mal so schlecht (ausser beim mushroom 🙂 ), doch seit Jahrzehnten als selbstständiger Musiker lebend wurde ich immer schon gezwungen, mich durchzuschlagen. Aber wenn „we are family“ kommt, um die schlechte Behandlung (zwischenmenschlich und/oder finanziell) in der Psy-Szene zu rechtfertigen, dann kommt mir das Kotzen. Manchmal war es nur die Begeisterung für einen neuen, eigenen Track, der mich nicht hat aussteigen lassen. Oder eine schöne Begegnung, die im Kleinen auf einmal den grossen Mist vergessen lässt. Das ist auf jeden Fall noch möglich. Genau wieder die Weiterentwicklung der Musik („Es wird immer weitergeh´n, Musik als Träger von Ideen“ Kraftwerk).